Drei Tore und drei Mal Alu: Sportfreunde unterliegen Wattenscheid

Die Sportfreunde Siegen verpassen den Befreiungsschlag und unterliegen der SG Wattenscheid 09 beim Krisengipfel am Sonntagnachmittag (24.09.) mit 1:2 (1:2). Simple Gegentreffer paaren sich mit Alu- und Elfer-Pech.

An und für sich war alles angerichtet für einen großartigen Fußballnachmittag: Knapp 1000 Zuschauer fanden den Weg bei angenehmen Temperaturen ins Siegener Leimbachstadion, darunter rund 100 Mitgereiste aus Wattenscheid.

 

Die ersten Minuten waren, bedingt durch die tabellarische Situation beider Teams, geprägt durch Sicherheit; keine Elf wollte zu schnell zu viel riskieren. Eine erste Schrecksekunde gab es nach einer guten Viertelstunde, als Wattenscheids Dennis Lerche auf dem Feld liegen blieb und die Sanitäter heran geeilt kamen. Nach kurzer Behandlung ging es für den Wattenscheider Stürmer, der heute noch wichtig für seine Farben werden sollte, weiter.

 

Zunächst aber die Sportfreunde: Mats Scheld schlug eine Ecke von der rechten Seite auf den ersten Pfosten, wo Jacob Pistor alle überragte und überlegt ins lange Eck zur umjubelten Führung einnickte (16.). Die Führung gab den Krönchenstädtern Aufwind, wenige Minuten später versuchte sich Pistor an einem Heber – drüber (20.). Keine zwei Minuten später verschaffte sich Marvin Schulz frei vor Dudek im Wattenscheider Kasten etwas Platz und köpfte knapp über das Tor (22.). Die Siegener waren die tonangebende Elf und verpassten es, den zweiten Treffer nachzulegen. Daniel Waldrich tankte sich auf der rechten Seite in den Strafraum und gab die Pille nach innen, wo die Situation zunächst bereinigt werden konnte. Der Ball kam allerdings postwendend zurück und fand Pistor, der seinen Versuch neben das Tor setzte (27.).

 

Wie das dann meist so ist, wenn die eigenen Gelegenheiten nicht genutzt werden: Du fängst sie Dir hinten. Mit dem ersten echten Vorstoß egalisierten die Gäste durch Lerche, der nach einem Zuspiel von der Seite in der Mitte nur noch den Fuß hinhalten musste (28.). Der Wattenscheider, zuletzt gegen Erkenschwick bereits mit einem Doppelpack, war sodann auch beim nächsten Vorstoß – dem zweiten überhaupt und insgesamt in der ersten Hälfte – zur Stelle. Die Sportfreunde leisteten sich tief in des Gegners Hälfte einen folgenschweren Fehlpass, den der schnelle Casalino aufnahm und Meter machte. Seine Flanke kam auf der rechten Seite an, von wo der Ball per Aufsetzer über Bibleka hinweg Richtung Torlinie lief und durch Lerche final über ebenjene gedrückt wurde (36.). Aus dem Nichts lief man plötzlich einem Rückstand hinterher und musste zudem kurz vor der Halbzeit reagieren: Für Marius Zentler, der sich bei einem Pressschlag wenige Momente zuvor weh getan hatte, ging es nicht weiter. Für die letzten Sekunden kam Andreas Busik in die Partie.

 
Scheld-Elfmeter an den Pfosten, Scheld-Freistoß an die Latte

Mit Beginn der zweiten Hälfte reagierte Helmes und wechselte doppelt: Jubes Ticha und Arthur Tomas blieben in der Kabine, für sie spielten nun offensiver ausgerichtet Marvin Hartmann und Lars Schardt. Gleich zu Anfang musste Pistor an der Seitenlinie behandelt werden; der Stürmer hatte in der ersten Hälfte einen Schlag abbekommen und lief seither nicht mehr ganz so rund, biss aber auf die Zähne. Die Gäste kamen ihrerseits wacher aus der Kabine und hatten die große Möglichkeit auf das dritte Tor: mit einem einfachen Ball wurde die Sportfreunde-Hintermannschaft ausgehebelt und eine Überzahl-Situation geschaffen. Der Ball kam in die Mitte zu Lerche, der jedoch im glänzend reagierenden Bibleka, der lange oben blieb, seinen Meister fand (53.). Keine Minute später bot sich Casalino zentral vor Bibleka die Möglichkeit abzuschließen, der Ball zischte knapp über den Kasten (54.).

 

Aber auch die Sportfreunde kamen zu ihren Möglichkeiten. Zunächst konnte Pistor eine gute Gelegenheit nicht verwerten (57.) und wurde eine Zeigerumdrehung nach feinem Zuspiel regelwidrig von Torhüter Dudek gestoppt – Elfmeter! Mats Scheld legte sich die Pille zurecht und setzte sie an den linken Außenpfosten (58.). Die Helmes-Elf blieb dran und zog die nächste Doppelchance: Pistor wurde halblinks auf die Reise geschickt und umkurvte Dudek, wurde allerdings noch entscheidend geblockt. Die nachfolgende Ecke landete bei Schardt, der zum Kopfball hochstieg und das Tor hauchdünn verfehlte (62.). In der Folge beruhigte sich das Treiben auf dem Feld zunächst, auch bedingt durch einen Hardware-Fehler beim Assistenten an der Seitenlinie, dessen Behebung einige Momente Zeit in Anspruch nahm.

 

Die Helmes-Elf hatte weiterhin mehr den Ball, wusste oft aber keine entsprechende Lösung anzubieten. Die SG verlagerte sich auf Kontersituationen, stand tief und verteidigte konzentriert. Mit voranschreitender Spieldauer boten sich den Gästen mehr Räume, bespielten diese aber oft nur unzureichend. Runde zehn Minuten vor dem regulären Spielende fand die SG dann aber doch mal eine Lücke und zog ab, der Ball klatschte von der Latte zurück auf das Spielfeld und wieder bei den Wattenscheidern – aufgrund der neuen Spielsituation allerdings befand sich der Spieler nunmehr im Abseits (82.). Auf der Gegenseite nahm sich Lars Schardt den Abschluss, zielte aber über den Kasten (83.). Wenige Minuten vor Schluss rückte auch Bibleka weit mit auf, um das Spiel aufzubauen – Williams bemerkte das und hielt aus großer Distanz einfach mal drauf, der Ball verkümmerte auf seinem Weg zum Tor (85.).

 

Mit Beginn der Nachspielzeit wurde es dann kurios: Der eingewechselte Malik Hodroj räumte seinen Gegenspieler auf Höhe der Mittellinie ab und spielte dabei vermeintlich den Ball. Schiedsrichter Gratzla zückte allerdings den Gelben Karton, woraufhin die Nr. 23 im Umdrehen abwinkte und sich wieder auf Position bringen wollte. Gratzla pfiff erneut und zeigte Hodroj daraufhin die überzogene wie unnötige Ampelkarte (89.). Die Sportfreunde warfen dennoch nochmal alles nach vorne, Krumm zielte bei einem Versuch aus der zweiten Reihe über das SG-Gehäuse (94.). Tief in der Nachspielzeit, in Minute 97, zogen die Siegener schließlich noch einen Freistoß am rechten Strafraum-Eck. Scheld trat an, der Ball wurde lang und länger – und küsste den Querbalken. Von dort aus sicherte die SG das Spielgerät und brachte das Ergebnis über die Zeit.

 

Unter dem Strich steht damit eine vermeidbare Niederlage gegen einen direkten Konkurrenten im letzten Tabellendrittel. Nächstes Wochenende ist die Helmes-Elf dann bei der SpVgg Erkenschwick gefordert.

 
Auf Stimmenfang

Patrick Helmes: „Ich kann die Fans absolut verstehen. Wir kommen gut rein und gehen in Führung, haben aber einfach nicht das Glück auf unserer Seite. Zur Halbzeit haben wir etwas umgestellt, uns offensiver aufgestellt und haben große Möglichkeiten, den Ausgleich zu erzielen. Es kommt dann alles zusammen. Wir haben alles versucht, betreiben riesigen Aufwand und stehen wieder mit leeren Händen da. Es tut natürlich weh, jede Woche dasselbe zu sagen und auch ich hätte gerne mehr Punkte. Am Ende laden wir den Gegner wieder durch individuelle Fehler, die gegen uns sofort bestraft werden, ein.“

 

Lars Schardt: „Das ist sehr bitter heute. Wir haben gut angefangen und hatten nach der Führung alles im Griff, fangen uns dann wieder so ein krummes Ding und wissen gar nicht, wie oder warum wir plötzlich wieder einem Rückstand hinterherlaufen. In der zweiten Hälfte wollte der Ball dann einfach wieder nicht über die Linie, da sind wir aktuell glücklos und vielleicht auch ein bisschen zu verkopft.“

 

Match Facts

Sportfreunde Siegen – SG Wattenscheid 09 1:2 (1:2)

1:0 Pistor (16.), 1:1 Lerche (28.), 1:2 Lerche (36.)

B.V.: Scheld verschießt Elfm. (58.), Gelb-Rot Hodroj (89.)

Schiedsrichter: Martin Gratzla, Dominic Stock, Max Westerfellhaus.

Zuschauer: 930.

Sportfreunde Siegen: Bibleka, Tomas (46. Schardt), Krumm, Filipzik, Scheld, Waldrich (79. Krämer), Schulz (68. Hodroj), Zentler (45. Busik), Ticha (46. Hartmann), Nabesaka, Pistor.